Der 1991 in China geborene und heute in München lebende Künstler Yuhao Chen widmet sich in seiner Malerei dem Porträt als Mittel zur Erforschung von Empfindung und Wahrnehmung. Dabei versteht er Porträts nicht als möglichst genaue Wiedergabe eines Individuums, sondern als malerisches Festhalten eines flüchtigen Moments. Seine Figuren – häufig weiblich – erscheinen weniger als identifizierbare Personen, sondern als Träger von Ausdruck, Haltung und emotionaler Spannung. Gesichtszüge bleiben bewusst unklar, wodurch sich der Blick von der individuellen Identität löst und auf subtile, schwer fassbare Stimmungen richtet.
Chens Bildwelten bewegen sich zwischen klassischer Figuration und zeitgenössischer Bildkonstruktion. Die Figuren sind in ambivalente, imaginäre Räume eingebettet, die zwischen Innen- und Außenraum, Natur und Architektur changieren. Digitale Skizzen und Bildgeneratoren dienen ihm dabei oft als Ausgangspunkt, die er im malerischen Prozess transformiert und neu komponiert. Durch das Überlagern unterschiedlicher Malweisen entsteht eine Bildsprache, die sich weder eindeutig der Figuration noch der Abstraktion zuordnen lässt.
Seine Arbeiten verbinden Einflüsse westlicher Malereitraditionen mit Elementen ostasiatischer Bildauffassung. Anstelle einer linearen Perspektive folgen Chens Kompositionen einem geschichteten Raumverständnis, das an traditionelle chinesische Bildrollen erinnert. Der Künstler spricht selbst von einem „wandernden Sehen“, bei dem sich der Blick durch das Bild bewegt und verschiedene Ebenen von Raum, Zeit und Emotion erschließt.
So entstehen Gemälde, die weniger konkrete Orte darstellen als vielmehr Zustände: fließend, ambivalent und von einer poetischen Unruhe geprägt. In dieser Spannung zwischen Vertrautem und Fremdem eröffnet Yuhao Chen neue Möglichkeiten, das Porträt als Bild des Menschen und seiner inneren Empfindungen zu denken.
Studium der Malerei, Akademie der Bildenden Künste München (Meisterschüler bei Prof. Anke Doberauer)
Ölmalerei, B.A., China Art Academy (CAA)
Yuhao Chen. Prelude, Braun-Falco Galerie, München
2023
Bad Romance, Jspace, Beijing
Wie hieß dieser Vogel doch gleich, Gruppenausstellung, Kulturverein Modern Studio Freising e.V., Altes Gefängnis Freising
Vom Training zur Gewohnheit, Dimplomausstellung, Akademie der Bildenden Künste München
ANGST, Gruppenausstellung, Heldenreizer Contemporary, München
Nominiert für den Young Generartion Art Award von Degussa und Monopol
Der Künstler lebt und arbeitet in München.
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